Entwurf für das Plakat der ersten Secessionsausstellung
Gustav Klimt
1898
ehemalige:r Besitzer:in1918 Nachlass Gustav Klimt (Wien 1918)ehemalige:r Besitzer:inab 1918 Hermine Klimt (Wien 1865 - 1938 Wien)ehemalige:r Besitzer:in Collezione Dall´ Occa (Bologna)Auktion18.11.2025 Dorotheum Wien [24000]Besitzer:in Besitzer:in unbekannt
Auktionskatalog
Klimts Entwurfszeichnung für sein berühmtes Plakat der ersten Ausstellung der Wiener Secession (Mai-Juni 1898) ist hier erstmals in ihrem Originalzustand zu sehen. Alice Strobl kannte nur das Schwarzweißfoto, wobei die von ihr angeführte Technik des Bleistifts jetzt auf schwarze Kreide umbenannt werden kann. Das Grundkonzept des Plakats ist bereits vorhanden; noch nicht berücksichtigt wurde das untere Textfeld. Die im großen Leerfeld angebrachte Beschriftung VER SACRUM ist in den verschiedenen Plakatfassungen nicht mehr anzutreffen.
Der Entwurf konzentriert sich auf die drei Protagonisten. Rechts vorne zeigt sich die stehende Profilgestalt der Pallas Athene, Schutzherrin der Secession. In der oberen friesartigen Szene ist Theseus – stellvertretend für die jungen Secessionisten – im Begriff, den zu Boden gezwungenen Minotauros – Symbol für die konservativen Kräfte der Wiener Kunstszene – den Todesstoß zu versetzen. Noch zeigt sich der nackte Held hier ohne die von der Zensur geforderte (durch Bäumchen realisierte) Verhüllung seines Geschlechts. Als provozierendes Element bringt Klimt den frech grinsenden Medusakopf ins Spiel, den er im Plakat viel größer darstellen und etwas später in seinem programmatischen Gemälde „Pallas Athene“ (1898) prominent in Gold malen wird.
Die Ausführung des Entwurfs ist zweigeteilt: Während Pallas Athene noch sehr skizzenhaft erscheint, ist Klimt in der Hauptszene bereits darum bemüht, den Kontrast zwischen der totalen Hilflosigkeit des Opfers (dessen Kopf im Plakat wesentlich größer dargestellt ist) und der extremen Kraft des Helden in prägnanten Umrisslinien zu erfassen. Letzterer verbirgt sein Gesicht, aber zeigt uns seinen muskulösen Rücken – eine paradoxe Verbindung von Heroismus und Besinnlichkeit, die um 1900 viele von Klimts männlichen Rückengestalten kennzeichnet und in seinem Plakat für die erste Secessionsausstellung ihre markante Ausprägung findet.
(s. Marian Bisanz-Prakken, „Muskelschau und Meditiation. Die männlichen Rückenfiguren Gustav Klimts“, in: zwischenräume zwischentöne, Wiener Moderne Gegenwartskunst Sammlungspraxis, Edition Angewandte, Wien 2018, S. 129)Informationen zu diesem Werk können sich aufgrund laufender Forschungsarbeiten ändern.
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