Reinzeichnung für das Plakat der ersten Secessionsausstellung (1898)
Gustav Klimt
1898
ehemalige:r Besitzer:in Albert Berger (Leipzig 1863 - 1931 Wien)Besitzer:inab 1929 Wien Museum (Wien)
Katalogtext
Vergleicht man die Reinzeichnung und die entsprechende ursprüngliche Druckversion des Plakats mit der letztlich von der Zensur freigegebenen Variante, so wird deutlich, dass Klimt Theseus heroische Nacktheit teilweise mit Baumstämmen verdecken musste – die bereits fertig gestellten Plakate wurden überdruckt. Der eigentliche Skandal im Entwurf des Plakats der ersten Secessionsausstellung aber war formaler Natur und ergab sich aus der Spannung zwischen der großen Leerfläche im mittleren Bereich und den linear dekorativen Bildelemente entlang des oberen und rechten Randes. In seiner dadurch zustande-kommenden Radikalität kann dieses Plakat zweifellos als der Beginn einer eigenständigen österreichischen Plakatkunst angesehen werden.(2)
Die textliche Information, die die notwendigen Angaben über Ausstellungsort und -dauer enthält, ist zu einem Schriftblock am unteren Plakatrand zusammengefasst, wobei der Text der Reinzeichnung sich bei der Ortsangabe leicht von der gedruckten Version unterscheidet. Der Titel der Darstellung, „Theseus und Minotaurus“, ist erläuternd am linken Rand der Szene abzulesen. Programmatisch ist der zweimal angebrachte Schriftzug „Ver Sacrum“ (rechts oben von Ornamenten nahezu gänzlich verdeckt) zu verstehen, war doch das Schlagwort vom „heiligen Frühling“ das optimistische Streben nach Wiedergeburt und Erneuerung der Kunst, ein zentrales Anliegen der Secessionisten.
Sowohl Gustav Klimts Reinzeichnung als auch das gedruckte Plakat vor und nach der Zensur gelangten 1929 im Zuge des Einkaufs der Sammlung Albert Berger in die Städtischen Sammlungen.(3) Die Wiener Druckerei Berger hatte sich Ende der 1890er-Jahre explizit auf künstlerische Lithographien spezialisiert und vor allem in den Anfangsjahren der Secession alle Plakate der Künstlervereinigung gedruckt. Die Reinzeichnung und die beiden gedruckten Versionen dieses epochalen Plakats in einer Sammlung zu haben stellt einen seltenen Glücksfall dar, der für die Wiener Plakatgeschichte von großer Bedeutung ist.
Ursula Storch
(1) Reiner Metzger: Gustav Klimt. Das graphische Werk, Wien 2005, S. 44.
(2) Bernhard Drescher: Ornament und Reduktion. Wiener Plakate als Beitrag zur Entwicklung der visuellen Massenkommunikation, in: Walter Obermaier (Hg.): Plakate aus Wien, Wien 2003, S. 25.
(3) Aktzahl 1308/1928.
Das ausgeführte Plakat in nicht zensurierter Form im Historischen Museum der Stadt Wien (Nebehay 1969, Abb. 203), das zensurierte ebendort und in der Albertina. Abbildung des Überdruckes bei Nebehay 1969, Nr.204.
Vgl. Kat. Nr. 326.
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