Weiblicher Akt von vorne mit erhobenem rechtem Arm
Gustav Klimt
um 1898
Auktion17.-19.11.1960 Karl & Faber Kunstauktionen (gegründet 1923 in München)ehemalige:r Besitzer:in Dr. Hermann Bünemann (Bremend 1895 - 1976 München)ehemalige:r Besitzer:in Emmerich Bünemann (München 1929 - 2018 Wolfratshausen)ehemalige:r Besitzer:in Privatsammlung , MünchenAuktion20.5.2025 Dorotheum Wien [30000]Besitzer:in Besitzer:in unbekannt
Werkverzeichnis
Klimts Gemälde Pallas Athene wurde erstmals im November 1898 im Rahmen der zweiten Ausstellung der Wiener Secession im neu eingeweihten Gebäude präsentiert. Dieses Brustbild der streitbaren Beschützerin oder „Dämonin“ (Hevesi) der Secession wurde Klimts erstes Skandalbild: Das Publikum stieß sich am eiskalten, penetranten Blick der Göttin und an ihrem goldenen Schmuckteil, dem frech grinsenden Medusakopf. Zudem ließ Klimt in der rechten Hand von Pallas Athene anstelle einer antiken Nike-Statuette eine nackte, rothaarige Miniaturgestalt mit seitwärts gestreckten Armen hervorleuchten, deren linke Hand eine Fackel trägt. Diese moderne Verbindung von erotischer Provokation und programmatischer Aussage sollte ein Jahr später im Gemälde Nuda Veritas (1899) ihre monumentale Ausprägung finden.
In einer kleinen Gruppe von Aktstudien für die unbekleidete Nike – denen auch die hier erstmals gezeigte Arbeit zuzurechnen ist – weisen die leicht von unten gesehene Frontalposition und die fließenden Umrisslinien bereits auf die Zeichnungen für die „Gorgonen“ im Beethovenfries (1901/02) und für die „Veritas“ in Jurisprudenz (1903) voraus. In den Zeichnungen der Nike sind die Arme anders als im Gemälde noch nicht waagerecht gestreckt, sondern gewinkelt. Im vorliegenden Blatt deutet der linke, vertikal gehobene Unterarm auf eine tragende Funktion hin, während sich der rechte vielleicht auf einem unsichtbaren Gegenstand stützt. Diese Armstellungen stimmen weitgehend mit einer weiteren, unlängst aufgedeckten Studie überein (vgl. Katalog „Gustav Klimt. Drawings“, Wienerroither und Kohlbacher 2012, Nr. 2, Abb.), während die ausgedehnte Haarmasse einem Blatt entspricht, das sich zur vorliegenden Arbeit spiegelbildlich verhält (Strobl, Nr. 348). Die ganze Gruppe zeugt von Klimts früher zeichnerischer Suche nach einem modernen weiblichen Figurenideal.
Informationen zu diesem Werk können sich aufgrund laufender Forschungsarbeiten ändern.
Information about this work may change as the result of ongoing research.