Frauenkopf im Profil nach rechts
Gustav Klimt
1897/98
ehemalige:r Besitzer:in Anton Loew (Pressburg 1847 - 1907 Wien)ehemalige:r Besitzer:in Gertrud von Felsöványi (Wien 1883 - 1964 Santa Clara, USA)ehemalige:r Besitzer:inum 1941-1961 Gustav Ucicky (Wien 1899 - 1961 Hamburg)ehemalige:r Besitzer:in1961-2013 Ursula Lena Ucicky (Cottbus 1922 - 2025 Wien)ehemalige:r Besitzer:in2013-2015 Klimt-Foundation, Wien Auktion17.6.2019 Auktionshaus im Kinsky [270000](Wien)Besitzer:in Besitzer:in unbekannt
Werkverzeichnis
Die beiden bei uns unter Kat.-Nr. 425 und 426 [Anm.: im Auktionskatalog] angebotenen Zeichnungen von Gustav Klimt befanden sich einst in der Sammlung des Sanatoriumbesitzers Anton Loew (1847-1907), für den Klimt 1902 auch das wunderbare Porträt seiner Tochter Gertrude malte. Gerta (1883-1964) heiratete 1903 den Unternehmer Johann Arthur Eisler von Terramare (1878-1938). Als Teil der Aussteuer erhielt Gerta - neben dem von ihrem Vater bei Klimt in Auftrag gegebenen gemalten Porträt - sechs frühe Zeichnungen von Klimt mit Darstellungen schöner Damen, darunter „Frauenkopf im Profil nach rechts” (Kat.-Nr. 425) und „Damenbrustbild von vorne” (Kat.-Nr. 426).
Für die Inneneinrichtung der Wohnung des jungen Paares Gerta Loew und Hans Eisler von Terramare zeichnete Koloman Moser verantwortlich. Ein 1903/04 in der Zeitschrift „Dekorative Kunst“ erschienenes Foto zeigt einen Einblick in das von Kolo Moser gestaltete Interieur: an der Wand hängen zwei Klimt-Zeichnungen in eigens von Moser entworfenen Rahmen, wobei das Kunstwerk links als „Frauenkopf im Profil nach rechts“ (Kat.-Nr. 425) zu identifizieren ist.
Die erste Ehe Gerta Loews dauerte nicht lange und wurde, nachdem ihre kleine Tochter 1905 im Alter von 15 Monaten verstorben war, 1909 geschieden. Die Werke von Gustav Klimt blieben in Gertas Eigentum. 1912 heiratete Gerta den Industriellen Elemér (Baruch von) Felsöványi (1882-1923). Nach dem Anschluss Österreichs an das Nazi-Deutschland war die Familie Felsöványi wegen ihrer jüdischen Herkunft zur Emigration gezwungen. Gerta flüchtete 1939 nach Belgien und emigrierte später in die USA. Das in Wien verbliebene Vermögen sollte auf Gertas Wunsch hin von einer Bekannten verwaltet werden, die sich jedoch die Kunstsammlung Felsöványi angeeignet und verkauft hat.
So kamen die Klimt-Zeichnungen etwa 1941 in den Besitz von Gustav Ucicky (1899-1961), dem ersten unehelichen Sohn von Gustav Klimt und Maria Ucicka. Gustav Ucicky, der unter anderem während der NS-Zeit Karriere als einer der führenden Propaganda-Regisseure machte, heiratete 1957 Ursula Kohn. Ursula Ucicky erbte 1961 von ihrem Mann Gustav dessen große Kunstsammlung, zu der auch unsere beiden Klimt-Blätter gehörten. Sie brachte die Kunstwerke 2013 in die von ihr gegründete Klimt-Foundation mit der Auflage ein, deren Provenienz zu erforschen und eine Einigung mit den Erben Gerta Felsöványis zu suchen.
Die Stiftung einigte sich mit den Erben nach Gertrud Loew-Felsöványi auf die Einsetzung eines unabhängigen Schiedsgerichtes, das eine Restitution der Kunstwerke empfahl. Aufgrund dieser Empfehlung stellte die Stiftung unter anderem jene zwei Kunstwerke, die wir jetzt versteigern können, an die Erben zurück.
Innerhalb Klimts Zeichnungen stellen die autonomen weiblichen Bildnisse ab etwa 1895 eine eigenständige, vielfach vertretene Gattung dar. Die zumeist als Brust- oder Halbbildnis wiedergegebenen Frauen sind – im Gegensatz zu den weiblichen Modellen seiner berühmten Porträtgemälde – zum Großteil unbekannt. In diesen intimen, oft höchst verfeinerten Arbeiten ging es dem Künstler in erster Linie nicht um die Personen, sondern um die subtile Erkundung von Typen, Charakteren und Stimmungswerten. Zu besonderer Blüte gelangte diese Darstellungsart in der Gründungszeit der Secession (1897/98). In dieser Phase des Aufbruchs entstanden auch die hier gezeigten Bildnisse (Kat.-Nr. 425 und 426 [Anm.: im Auktionskatalog]). Diese unterscheiden sich naturgemäß von den spontanen Studien, durch die Klimt zur gleichen Zeit sein erstes modernes Porträtgemälde von Sonja Knips vorbereitet hat (1898, vgl. Kat. Nr. 428).
Beide Bildniszeichnungen treten durch die jeweilige Betonung ihrer Profil- und Frontalansicht hervor. Im Rahmen seiner modernen symbolistischen Bildsprache ist das linear stilisierte Frauenprofil mit dem gesenkten Blick eine seiner häufigsten Metapher für Melancholie und Introspektion.
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