Brustbild einer alten Frau nach rechts
Gustav Klimt
1901-1903
ehemalige:r Besitzer:in Scott Elliott (ca. 1941 Downers Grove, Illinois)ehemalige:r Besitzer:in Serge Sabarsky Collection (New York)ehemalige:r Besitzer:in Vally Sabarsky Trust (New York)Auktion7.12.2023 Karl & Faber Kunstauktionen [28000](gegründet 1923 in München)Besitzer:in Besitzer:in unbekannt
Werkverzeichnis
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Studie für das (verbrannte) Fakultätsbild Medizin, welches Klimt im Auftrag der Universität Wien schafft
• Ungeschönte und dennoch friedvolle Darstellung des alternden menschlichen Körpers
• In zartem Blau ausgeführte Skizze voller Expressivität
Mild und leise lächelt sie, ganz in sich versunken. Klimts „Brustbild einer alten Frau nach rechts“ strahlt, auf Papier gebracht in zarten blauen Buntstiftstrichen, eine Ruhe und stille Schönheit aus, ganz so, als wolle der Künstler den menschlichen Körper trotz des nicht zu leugnenden Alters feiern.
Gustav Klimt erhält 1894 gemeinsam mit seinem Kollegen Franz Matsch den Auftrag der Universität Wien, die Decke des Großen Festsaals mit vier Gemälden auszuschmücken. Diese sollen die vier Fakultäten – Medizin, Theologie, Philosophie und Jurisprudenz – allegorisch darstellen. Während Klimt einen ersten Kompositionsentwurf bereits 1898 fertigstellt, wird es noch bis 1907 dauern, bis das Gemälde mithilfe Hunderter Skizzen und diverser Zwischenzustände seine finale Form erreicht.
Zu sehen ist im Endzustand der Kreislauf aus Werden und Vergehen, Leben und Tod. Im Vordergrund streckt die Figur der Hygieia als Allegorie der Gesundheit die Äskulapnatter und eine Schale mit Lethe-Wasser empor. Hinter ihr winden sich rechter Hand zahlreiche Menschen in einem Knäuel. Alt und jung, groß und klein, symbolisieren sie die verschiedenen Lebensalter, das Geboren-Werden, Leben und Sterben. Nur durch zwei ausgestreckte Arme sind sie mit einer weiblichen Figur auf der Bildlinken verbunden, der zu Füßen sich ein Säugling findet. Die zwei Figuren konzentrieren die Aussage der Menschenmasse, nämlich das Werden und Vergehen der menschlichen Existenz. Der Tod, gezeigt in Form eines Skeletts, wirft derweil seinen Schleier aus und schickt sich an, die diversen Figuren des Bildes in diesen einzuwinden.
Das Bild wird zum Skandal: Viel zu negativ! Der Künstler betont nur das Elend des menschlichen Körpers und Lebens! Wo sind die medizinischen Fähigkeiten der Prävention, der modernen Heilungsmöglichkeiten? Und was soll diese laszive Nackte auf der linken Seite?
Die enorme Kritik sorgt indes nicht für ein Umdenken in Klimts Schaffen. Im Gegenteil, noch vehementer verfolgt er seinen Stil und schafft in der Folge mit dem Fakultätsbild „Jurisprudenz“ ein weiteres Skandalbild. Die Fakultätsgemälde Klimts werden nicht in der Universität angebracht. Klimt kauft, wo möglich, die Skizzen und die finalen Gemälde zurück, von hier aus landen sie in privaten Sammlungen. In der Zeit des Nationalsozialismus werden die Fakultätsbilder beschlagnahmt und verbrennen schließlich auf Schloss Immendorf, als die dort gesammelte Raubkunst von deutschen Truppen angezündet wird. Erhalten bleiben lediglich die Fotografien der Fakultätsbilder und zahlreiche Skizzen.
Das hier angebotene Brustbild findet im fertigen Gemälde seine fast exakte Entsprechung in einem kleinen Detail. Unterhalb der Hygieia mit Schale ist sie zu finden: Die alte Frau, mild und leise lächelnd.
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