Zwei Studien eines sitzenden Rückenaktes mit langem Haar
Gustav Klimt
um 1901-1902
Object numberGKZ862
Strobl-Nr.Strobl 862
Künstler:in
Gustav Klimt
(Wien 1862 - 1918 Wien)
Dateum 1901-1902
Dimensions31,7 × 45,2 cm (12 1/2 × 17 13/16 in.)
MediumSchwarze Kreide und roter Farbstift auf Papier
SignedM.u. "GVSTAV | KLIMT"
Inscribedl.u. "R" (gedreht)
Besitzer:in
Los Angeles, The J. Paul Getty Museum
Inv. Nr. The J. Paul Getty Museum, Los Angeles2009.57.2
Curatorial RemarksStudie für GoldfischeExhibitionsehemalige:r Besitzer:in1903-1915 Carl Reininghaus (Graz 1857 - 1929 Wien)ehemalige:r Besitzer:inab 1915 August Lederer (Böhmisch-Leipa 1857 - 1936 Wien)ehemalige:r Besitzer:inbis 1985 Erich Lederer (Wien 1896 - 1985 Genf)ehemalige:r Besitzer:in1985 Privatbesitz , ÖsterreichAuktion6.2.2007 London, Sotheby's [197132]ehemalige:r Besitzer:inbis 2009 Le Claire Kunst (Hamburg)Besitzer:inab 2009 Los Angeles, The J. Paul Getty Museum
Werkverzeichnis
Alice Strobl, 1980: Studien für die Vordergrundfigur in "Goldfische". Das Haftungsmotiv Kat. Nr. 812 u. Nr. 813 von der Rückseite wiedergegeben.
London, Sotheby's, 2007: The present two studies are preparatory drawings for Gustav Klimt’s stunning painting Goldfisch of 1901-02 which is now located in the Kunstmuseum in Solothurn in Switzerland. They are characterised by the beautiful line describing a nude from behind with wavy hair and alluring curves.
Marian Bisanz-Prakken, 2009: Klimts Studie zweier weiblicher Rückenakte entstand für sein lebensgroßes, in schmalem Hochformat ausgeführtes Gemälde Goldfische, das in der XIII. Ausstellung der Wiener Secession (Februar - März 1902) erstmals präsentiert wurde1. In dieser geheimnisvollen Unterwasserszene bildet der monströse Kopf eines Goldfisches einen emphatischen Kontrast zur sinnlichen Nacktheit dreier Wassernixen, deren rundliche Körperformen von wallenden Haarmassen und stilisierten Wasserpflanzen umspielt werden. Stein des Anstoßes für das Wiener Publikum war die herausfordernde Pose der unteren, spöttisch über ihre Schulter blickenden Rückenfigur, deren nahsichtig dargestellte Gesäßpartie die Leinwand zu sprengen scheint. Angeblich nannte Klimt das erotisch verspielte Bild inoffiziell „an meine Kritiker“? in Anspielung auf sein gespanntes Verhältnis zur konservativen Presse, die ihn wegen der schonungslos realistischen Wiedergabe der nackten Figuren in Medizin heftig angegriffen hatte. Dieses Bild war im Frühjahr 1901 in der Secession präsentiert worden. Das hier gezeigte Studienblatt, dessen rechte Figur mit den schwungvoll stilisierten Kurven und den langen, dunklen Haaren 1902 in der Secessionszeitschrift Ver Sacrum abgebildet wurde, ist stilistisch wie auch motivisch als ein bemerkenswertes Bindeglied zwischen der stimmungsvollen Medizin und dem von monumentalen Stilidealen geprägten Beethovenfries anzusehen. Eine durchaus ähnliche Pose zeigt einerseits die am unteren Bildrand befindliche Frauengestalt in Medizin (die in einem späteren Stadium übermalt wurde); gleichzeitig lässt sich die vorliegende Zeichnung mit zwei Studien für die Wollust im Beethovenfries verbinden, die das gleiche oder ein ähnliches Modell von vorne präsentieren2. Obwohl Klimt sich in der zweifachen Wiedergabe der Rückenfigur weitgehend auf die äußerst schwungvollen Konturen beschränkt, vermitteln diese reizvollen Skizzen – in Analogie zum Gemälde – immer noch die Illusion einer gewissen Räumlichkeit, wobei plastische Werte durch weiche, mehrfach angesetzte Umrisslinien suggeriert werden. Im Beethovenfries dienen die Konturlinien dann der kompromisslosen Wiedergabe von Profil- und Frontalstellungen.
1 Dübi-Müller-Stiftung, Solothurn. Fritz Novotny und Johannes Dobai, Gustav Klimt, Salzburg 1975, (2. Aufl.), Nr. 124; Alfred Weidinger, Gustav Klimt, München 2007, Nr. 152, s. Vgl. Abb. im englischen Text unter Kat.-Nr. 4.
2 Alice Strobl, op. cit., Bd. 1, 1980, Nrn. 812, 813.
Last edited08.01.2026
Informationen zu diesem Werk können sich aufgrund laufender Forschungsarbeiten ändern.
Information about this work may change as the result of ongoing research.
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