Studie zu Bildnis Adele Bloch-Bauer: Sitzend von vorne
Gustav Klimt
1903
ehemalige:r Besitzer:in Galerie Welz (Salzburg)Auktion14.5.2001 Galerie & Auktionshaus Hassfurther [nicht verkauft](Wien)Auktion27.11.2001 Galerie & Auktionshaus Hassfurther [18168](Wien)ehemalige:r Besitzer:in Privatsammlung , Österreichehemalige:r Besitzer:in2008-2015 Kunsthandel Wienerroither & Kohlbacher (gegründet 1993 in Wien)Besitzer:inab 2015 Privatsammlung , Frankreich
Werkverzeichnis
Translation: Elizabeth Clegg, London
Im zeichnerischen Œuvre Gustav Klimts nehmen die Studien für die weiblichen Porträtgemälde einen breiten Raum ein. Einen künstlerischen Höhepunkt in diesem Rahmen bilden die Studien für das Bildnis Adele Bloch–Bauer I, von denen hier ein markantes Beispiel zu sehen ist. Das 1907 voll endete Porträtbild zählt – gemeinsam mit dem 1908 geschaffenen Gemälde Der Kuß – zu den Meistwerken des „Goldenen Stils“ (Klimts berühmteste Schaffensperiode, ca. 1904– 1909).
Adele Bauer, 1881 in Wien als Tochter des Generaldirektors des Wiener Bankvereins, Moriz Bauer, geboren, heiratete 1899 den 17 Jahre älteren Zuckerfabrikanten Ferdinand Bloch. Dieser erteilte Gustav Klimt 1903 den Auftrag, das Porträt seiner Frau zu malen, dessen Vollendung sich über vier Jahre hinziehen sollte. In den 1903–1904 entstandenen Studien posiert die modebewusste junge Frau in einer Vielzahl von Kleidern und Gewandkombinationen. Ein Großteil dieser Blätter ist von einer lyrischen Beschwingtheit und einer sinnlichen Ausstrahlung geprägt (die mehrfach angestellten Spekulationen in Bezug auf eine intime Beziehung zwischen dem Maler und seinem Modell konnten bisher nicht bestätigt werden). Die vorliegende Studie beleuchtet einen besonderen Aspekt dieser Arbeiten: Die frontale Stellung des Oberkörpers, die Geradlinigkeit der eckigen Arm– und Schulterpartie sowie der vertikal abgeschnittene Lehnstuhl weisen deutlich auf Klimts neuartige Auseinandersetzung mit den Prinzipien der Monumentalkunst hin. Zu dieser entscheidenden Wende in seiner Entwicklung hatte ein Jahr zuvor die Arbeit am Beethovenfries (1902) wesentlich beigetragen. In den Bloch–Bauer–Studien betonen die sensibel geführten Kreidelinien die Umrisse, bei einer ständigen Balance zwischen treffender Charakterisierung und strenger Flächengebundenheit. Die unverwechselbare Note dieser Zeichnungen bildet der kräftig akzentuierte, dreieckig stilisierte Mund, so auch in der hier präsentierten Arbeit. Gemeinsam mit der vom oberen Blattrand überschnittenen Stirnpartie offenbart sich in diesem Detail die für Klimt charakteristische Verbindung von sinnlicher Präsenz und geheimnisvoller Distanz. Ein auffallendes Merkmal dieser Zeichnung ist die eckige Gestaltung der schlanken, kompliziert ineinander verschränkten Hände; dieses Darstellungsprinzip sollte im ausgeführten Gemälde – bei einer geänderten Position der Arme und Hände – eine sehr markante Rolle spielen. Zweifellos entsprach die nervös–elegante, „gotische“ Gestik dem sensiblen Naturell der intellektuell orientierten Frau. Gleichzeitig aber lag dieser spezifischen Gestaltungsweise vermutlich der verkrüppelte Finger zugrunde, den die Porträtierte – einer späteren Aussage ihrer Nichte Maria Altmann zufolge (siehe den Literaturhinweis „Gustav Klimt und die Frauen“) – stets zu kaschieren versuchte. So gelangt die vielfach abgewinkelte Stellung der Hände in beiden Fällen – in der Studie wie im Gemälde – zum spannungsvollen Element der Gesamtgeometrie.
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