Bildnis einer Dame mit Hut im verlorenen Profil
Gustav Klimt
um 1898
ehemalige:r Besitzer:in Max Ungethüm (Wien 1874 - 1947 Wien)ehemalige:r Besitzer:in Melanie Ungethüm (Wien 1882 - 1971 Wien)ehemalige:r Besitzer:in Privatbesitz , NiederösterreichAuktion15.5.2013 Dorotheum Wien [nicht verkauft]Auktion22.6.2016 London, Sotheby's [142,901]Besitzer:in HomeArt Design Limited (gegründet 2015 in Hong Kong)
Auktionskatalog
Dieses Werk wurde von Frau Dr. Bisanz-Prakken begutachtet und wird in Band V des Werkverzeichnisses Gustav Klimt, Die Zeichnungen, der Albertina, aufgenommen.
Vergleiche in:
Gustav Klimt, Die Zeichnungen, 1878–1903, Band I, Verlag Galerie Welz, Salzburg 1980, Seite 127, Nr. 393
Provenienz:
Max Ungethüm- am Deckkarton 2 Stempel: Kunsttischlerei Max Ungethüm Wien V/56, Obere Amtshausgasse 27
Melanie Ungethüm
Privatbesitz, Niederösterreich
Dieses weibliche Bildnis zeigt eine weitgehende Ähnlichkeit mit einer 1899 in Ver Sacrum abgebildeten Zeichnung (Heft 5, S. 29).(1) Beiden Darstellungen gemeinsam sind das im verlorenen Profil hervorleuchtende Gesicht mit der markanten Nase, der dunkle Hut mit dem hellen, karierten Maschenschmuck und der hohe, dunkle Kragen. Das dargestellte Modell ist anonym, wie alle anderen Beispiele der Gruppe der von Klimt um 1897/98 gezeichneten Bildnisse. (2)
Das schmale Hochformat der gezeigten Arbeit, verbunden mit dem ausschnitthaften Charakter der Komposition, war in der Gründungszeit der Secession (um 1897/98) allgemein sehr beliebt. Auf diese Entstehungsphase verweisen auch die subtil stilisierten floralen Motive des ornamentalen Rahmens, der von Georg Klimt, dem Bruder Gustavs, gestaltet wurde. Im oberen Rand erinnern die dreieckigen Blumenherzen mit den Perleneinlagen zudem an das frühsecessionistische Emblem des Wappens mit drei Schildern (für Malerei, Skulptur und Architektur). Berühmte Gemälde wie „Pallas Athene“ (1898) und „Nuda Veritas“ (1899) bilden mit den von Georg Klimt ausgeführten Rahmen eine jeweils organische Einheit. Dieses Miniatur-Gesamtkunstwerk präsentiert sich als frühes Beispiel einer modern orientierten Kooperation zwischen den Brüdern.
Zudem liegt hier ein seltenes Beispiel der Pastelltechnik vor, die Klimt in den späten 1890er Jahren vor allem in der erwähnten Gruppe der weiblichen Bildnisse ausgeübt hat. Mit großer Freiheit setzt er hier seine hauptsächlich blauen, durch rötliche Akzente ergänzte Farbstifte ein: vom subtil umrissenen Profil bis zu den heftigen, einander dicht überlagernden Striche der Bekleidung, wobei sich die rechte Hand als heller malerischer Fleck abzeichnet. Bezeichnend für den Symbolismus dieser Jahre ist die geheimnisvoll schimmernde, in langen Parallelstrichen angelegte Kulisse. Mit rein linearen Mitteln erzielt Klimt hier reich nuancierte koloristische Werte und stimmungsvolle Helldunkeleffekte.
Marian Bisanz-Prakken
(1) Ver Sacrum 1899, Heft 5, S. 29; Alice Strobl Gustav Klimt - Zeichnungen, Bd. I, Salzburg 1980, Nr. 393 (Verbleib unbekannt).
(2) Strobl I, Nr. 386-406
Das schmale Hochformat der gezeigten Arbeit, verbunden mit dem ausschnitthaften Charakter der Komposition, war in der Gründungszeit der Secession (um 1897/98) allgemein sehr beliebt. Auf diese Entstehungsphase verweisen auch die subtil stilisierten floralen Motive des ornamentalen Rahmens, der von Georg Klimt, dem Bruder Gustavs, gestaltet wurde. Im oberen Rand erinnern die dreieckigen Blumenherzen mit den Perleneinlagen zudem an das frühsecessionistische Emblem des Wappens mit drei Schildern (für Malerei, Skulptur und Architektur). Berühmte Gemälde wie „Pallas Athene“ (1898) und „Nuda Veritas“ (1899) bilden mit den von Georg Klimt ausgeführten Rahmen eine jeweils organische Einheit. Dieses Miniatur-Gesamtkunstwerk präsentiert sich als frühes Beispiel einer modern orientierten Kooperation zwischen den Brüdern.
Zudem liegt hier ein seltenes Beispiel der Pastelltechnik vor, die Klimt in den späten 1890er Jahren vor allem in der erwähnten Gruppe der weiblichen Bildnisse ausgeübt hat. Mit großer Freiheit setzt er hier seine hauptsächlich blauen, durch rötliche Akzente ergänzte Farbstifte ein: vom subtil umrissenen Profil bis zu den heftigen, einander dicht überlagernden Striche der Bekleidung, wobei sich die rechte Hand als heller malerischer Fleck abzeichnet. Bezeichnend für den Symbolismus dieser Jahre ist die geheimnisvoll schimmernde, in langen Parallelstrichen angelegte Kulisse. Mit rein linearen Mitteln erzielt Klimt hier reich nuancierte koloristische Werte und stimmungsvolle Helldunkeleffekte.
(1) Ver Sacrum 1899, Heft 5, S. 29; Alice Strobl Gustav Klimt - Zeichnungen, Bd. I, Salzburg 1980, Nr. 393 (Verbleib unbekannt).
(2) Strobl I, Nr. 386-406
The narrow, vertical format and the fragment-like composition are typical of works from the formative years of the Secession circa 1897-98. The subtly stylised floral motif of the ornamental frame, which was designed by Georg Klimt, Gustav’s brother, is also characteristic of this period. Additionally, the triangular clusters of beads along the upper edge of the frame are reminiscent of the early Secessionist emblem that is comprised of three shields representing painting, sculpture and architecture. Georg Klimt designed frames for other well-known works such as Pallas Athene (1898) and Nuda Veritas (1899) that create an aesthetic unity between the frame and painting, as is evident in the present work. This Gesamtkunstwerk is a prime example of a modernist collaboration of the Klimt brothers.
The present work is a wonderful and rare example of Klimt's pastel technique, which he used in particular for his series of female portraits of the late 1890s. Klimt applies the coloured crayons freely throughout the composition, interspersing the deep blue tones with red highlights; the woman’s profile is delineated with a subtle outline whereas her clothing is formed by densely overlapping lines from which her bare right hand emerges. The mysterious shimmering background formed by long, vertical lines is typical of this period. In the present work, Klimt achieves richly nuanced colours and evocative areas of light and shadow exclusively through the use of line.
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