Fotonachweis: Dorotheum Wien
Bildnis einer Dame mit Hut im verlorenen Profil
Fotonachweis: Dorotheum Wien

Bildnis einer Dame mit Hut im verlorenen Profil

Gustav Klimt

um 1898




Object numberGKZ3837
Künstler:in (Wien 1862 - 1918 Wien)
Künstler:in (Wien 1867 - 1931 Wien)
Dateum 1898
Dimensions27,1 × 10,4 cm Maße mit Rahmen: 37,5 × 18 cm
MediumFarbkreiden und Pastell auf Papier, im Originalrahmen von Georg Klimt
Besitzer:in (gegründet 2015 in Hong Kong)
Curatorial RemarksZuschreibung durch Marian Bisanz-PrakkenExhibitions
  • 2022 Amsterdam, Van Gogh Museum (07.10.2022 - 08.01.2023)
  • 2023 Wien, Unteres Belvedere (03.02.2023 - 29.05.2023)
  • Published References
  • Markus Fellinger/Stella Rollig (Hg.), Klimt. Inspired by Van Gogh, Rodin, Matisse (Ausst.-Kat. Van Gogh Museum, Amsterdam 2022/23 / Belvedere, Wien 2023), München 2022, S. 131 (Abb. 111)
  • Provenance
  • Max Ungethüm (am Deckkarton 2 Stempel: Kunsttischlerei Max Ungethüm Wien V/56, Obere Amtshausgasse 27) [Quelle: Dorotheum Wien] als Geschenk des Künstlers [Quelle: Sotheby's London]
  • Melanie Ungethüm [Quelle: Dorotheum Wien]
  • Privatbesitz, Niederösterreich [Quelle: Dorotheum Wien]
  • 15.5.2013 Dorotheum, Wien, Los 1315 (Abb. S. 39) (nicht verkauft)
  • 22.6.2016 Sotheby's, London, Los 120 (Abb. S. 39)
  • HomeArt Design Limited, Hong Kong

  • ehemalige:r Besitzer:in(Wien 1874 - 1947 Wien)ehemalige:r Besitzer:in(Wien 1882 - 1971 Wien)ehemalige:r Besitzer:in, NiederösterreichAuktion Dorotheum Wien [nicht verkauft]Auktion London, Sotheby's [142,901]Besitzer:in(gegründet 2015 in Hong Kong)
    Auktionskatalog
    Dorotheum Wien, 2013:
    Bildnis einer Dame mit Hut im verlorenen Profil, um 1898, Farbkreide auf Papier, 27,2 x 10 cm, in einem von Georg Klimt angefertigten Rahmen, signiert Klimt Georg, Messing getrieben, am Rand oben mit Steinen besetzt, 37,5 x 18 cm, (K)

    Dieses Werk wurde von Frau Dr. Bisanz-Prakken begutachtet und wird in Band V des Werkverzeichnisses Gustav Klimt, Die Zeichnungen, der Albertina, aufgenommen.

    Vergleiche in:
    Gustav Klimt, Die Zeichnungen, 1878–1903, Band I, Verlag Galerie Welz, Salzburg 1980, Seite 127, Nr. 393

    Provenienz:
    Max Ungethüm- am Deckkarton 2 Stempel: Kunsttischlerei Max Ungethüm Wien V/56, Obere Amtshausgasse 27
    Melanie Ungethüm
    Privatbesitz, Niederösterreich

    Dieses weibliche Bildnis zeigt eine weitgehende Ähnlichkeit mit einer 1899 in Ver Sacrum abgebildeten Zeichnung (Heft 5, S. 29).(1) Beiden Darstellungen gemeinsam sind das im verlorenen Profil hervorleuchtende Gesicht mit der markanten Nase, der dunkle Hut mit dem hellen, karierten Maschenschmuck und der hohe, dunkle Kragen. Das dargestellte Modell ist anonym, wie alle anderen Beispiele der Gruppe der von Klimt um 1897/98 gezeichneten Bildnisse. (2)

    Das schmale Hochformat der gezeigten Arbeit, verbunden mit dem ausschnitthaften Charakter der Komposition, war in der Gründungszeit der Secession (um 1897/98) allgemein sehr beliebt. Auf diese Entstehungsphase verweisen auch die subtil stilisierten floralen Motive des ornamentalen Rahmens, der von Georg Klimt, dem Bruder Gustavs, gestaltet wurde. Im oberen Rand erinnern die dreieckigen Blumenherzen mit den Perleneinlagen zudem an das frühsecessionistische Emblem des Wappens mit drei Schildern (für Malerei, Skulptur und Architektur). Berühmte Gemälde wie „Pallas Athene“ (1898) und „Nuda Veritas“ (1899) bilden mit den von Georg Klimt ausgeführten Rahmen eine jeweils organische Einheit. Dieses Miniatur-Gesamtkunstwerk präsentiert sich als frühes Beispiel einer modern orientierten Kooperation zwischen den Brüdern.

    Zudem liegt hier ein seltenes Beispiel der Pastelltechnik vor, die Klimt in den späten 1890er Jahren vor allem in der erwähnten Gruppe der weiblichen Bildnisse ausgeübt hat. Mit großer Freiheit setzt er hier seine hauptsächlich blauen, durch rötliche Akzente ergänzte Farbstifte ein: vom subtil umrissenen Profil bis zu den heftigen, einander dicht überlagernden Striche der Bekleidung, wobei sich die rechte Hand als heller malerischer Fleck abzeichnet. Bezeichnend für den Symbolismus dieser Jahre ist die geheimnisvoll schimmernde, in langen Parallelstrichen angelegte Kulisse. Mit rein linearen Mitteln erzielt Klimt hier reich nuancierte koloristische Werte und stimmungsvolle Helldunkeleffekte.
    Marian Bisanz-Prakken

    (1) Ver Sacrum 1899, Heft 5, S. 29; Alice Strobl Gustav Klimt - Zeichnungen, Bd. I, Salzburg 1980, Nr. 393 (Verbleib unbekannt).
    (2) Strobl I, Nr. 386-406
    Marian Bisanz-Prakken, 2013:
    Dieses weibliche Bildnis zeigt eine weitgehende Ähnlichkeit mit einer 1899 in Ver Sacrum abgebildeten Zeichnung (Heft 5, S. 29).(1) Beiden Darstellungen gemeinsam sind das im verlorenen Profil hervorleuchtende Gesicht mit der markanten Nase, der dunkle Hut mit dem hellen, karierten Maschenschmuck und der hohe, dunkle Kragen. Das dargestellte Modell ist anonym, wie alle anderen Beispiele der Gruppe der von Klimt um 1897/98 gezeichneten Bildnisse. (2)

    Das schmale Hochformat der gezeigten Arbeit, verbunden mit dem ausschnitthaften Charakter der Komposition, war in der Gründungszeit der Secession (um 1897/98) allgemein sehr beliebt. Auf diese Entstehungsphase verweisen auch die subtil stilisierten floralen Motive des ornamentalen Rahmens, der von Georg Klimt, dem Bruder Gustavs, gestaltet wurde. Im oberen Rand erinnern die dreieckigen Blumenherzen mit den Perleneinlagen zudem an das frühsecessionistische Emblem des Wappens mit drei Schildern (für Malerei, Skulptur und Architektur). Berühmte Gemälde wie „Pallas Athene“ (1898) und „Nuda Veritas“ (1899) bilden mit den von Georg Klimt ausgeführten Rahmen eine jeweils organische Einheit. Dieses Miniatur-Gesamtkunstwerk präsentiert sich als frühes Beispiel einer modern orientierten Kooperation zwischen den Brüdern.

    Zudem liegt hier ein seltenes Beispiel der Pastelltechnik vor, die Klimt in den späten 1890er Jahren vor allem in der erwähnten Gruppe der weiblichen Bildnisse ausgeübt hat. Mit großer Freiheit setzt er hier seine hauptsächlich blauen, durch rötliche Akzente ergänzte Farbstifte ein: vom subtil umrissenen Profil bis zu den heftigen, einander dicht überlagernden Striche der Bekleidung, wobei sich die rechte Hand als heller malerischer Fleck abzeichnet. Bezeichnend für den Symbolismus dieser Jahre ist die geheimnisvoll schimmernde, in langen Parallelstrichen angelegte Kulisse. Mit rein linearen Mitteln erzielt Klimt hier reich nuancierte koloristische Werte und stimmungsvolle Helldunkeleffekte.

    (1) Ver Sacrum 1899, Heft 5, S. 29; Alice Strobl Gustav Klimt - Zeichnungen, Bd. I, Salzburg 1980, Nr. 393 (Verbleib unbekannt).
    (2) Strobl I, Nr. 386-406
    Marian Bisanz-Prakken, 2016:
    This female portrait is very similar to a drawing reproduced in Ver Sacrum in 1899 (Issue 5, p. 29). Common to both depictions are the luminous face in profile, the distinctive nose, the plaid hat and the dark, high collar. The sitter in the present work is anonymous, as are all other portraits drawn by Klimt around 1897-98.

    The narrow, vertical format and the fragment-like composition are typical of works from the formative years of the Secession circa 1897-98. The subtly stylised floral motif of the ornamental frame, which was designed by Georg Klimt, Gustav’s brother, is also characteristic of this period. Additionally, the triangular clusters of beads along the upper edge of the frame are reminiscent of the early Secessionist emblem that is comprised of three shields representing painting, sculpture and architecture. Georg Klimt designed frames for other well-known works such as Pallas Athene (1898) and Nuda Veritas (1899) that create an aesthetic unity between the frame and painting, as is evident in the present work. This Gesamtkunstwerk is a prime example of a modernist collaboration of the Klimt brothers. 

    The present work is a wonderful and rare example of Klimt's pastel technique, which he used in particular for his series of female portraits of the late 1890s. Klimt applies the coloured crayons freely throughout the composition, interspersing the deep blue tones with red highlights; the woman’s profile is delineated with a subtle outline whereas her clothing is formed by densely overlapping lines from which her bare right hand emerges. The mysterious shimmering background formed by long, vertical lines is typical of this period. In the present work, Klimt achieves richly nuanced colours and evocative areas of light and shadow exclusively through the use of line.


    Last edited03.05.2026

    Informationen zu diesem Werk können sich aufgrund laufender Forschungsarbeiten ändern.

    Information about this work may change as the result of ongoing research.
    ExpandView PDFPermalinkhttps://digitalepublikationen.albertina.at/en/objects/19-597575/bildnis-einer-dame-mit-hut-im-verlorenen-profil