Im Lehnstuhl Sitzende, von vorne gesehen
Gustav Klimt
um 1903
Object numberGKZ3845
Künstler:in
Gustav Klimt
(Wien 1862 - 1918 Wien)
Dateum 1903
Dimensions44,2 × 31,6 cm
MediumSchwarze Kreide auf Papier
Besitzer:in
Kunsthandel Wienerroither & Kohlbacher
(gegründet 1993 in Wien)
Curatorial RemarksZuschreibung durch Marian Bisanz-PrakkenPublished Referencesehemalige:r Besitzer:in Privatsammlung , WienBesitzer:inab 2010 Kunsthandel Wienerroither & Kohlbacher (gegründet 1993 in Wien)
Bildtext
Marian Bisanz-Prakken, 2012: Unmittelbar nach seiner einschneidenden Arbeit am Beethovenfries (1902) zeigt Klimt in seinen Zeichnungen ein ausgeprägtes Interesse für formale Experimente. So präsentiert sich das frontal vorgebeugt sitzende Modell dieser Studie abstrakt gesehen als ein zweidimensional angelegter Komplex von unterschiedlichen, subtil umrissenen Formen, die einander wohlüberlegt überschneiden. Die abgewinkelten Arm- und Schulterteile, die fließenden Gewandfalten, die geometrisch stilisierte Gesichts- und Haarpartie sowie die schweren Formen des Lehnstuhls treten hier prägnant hervor. In diesem Spannungsfeld zwischen Raum und Fläche bildet das Verwirrspiel mit der Perspektive – etwa im Bereich des eingezogenen Kopfes – ein besonderes Merkmal. Die Linienrhythmik der fein gefalteten Bekleidung unterdrückt das Volumen und verrät nichts von der Position der überschlagenen Beine; diese geht nur aus der Stellung der Füße hervor. Vergleichsweise räumlich wirkt der aufgestützte rechte Unterarm, der den Mund des Modells halb verdeckt. Die extrem knappen Striche von Nase und Auge verleihen der Dargestellten einen lauernden, dämonischen Blick, der an den Ausdruck der Schicksalsgöttinnen in Jurisprudenz (1903) erinnert. Modell und Bekleidung zeigen gewisse Ähnlichkeiten mit den 1903-04 entstandenen Studien für das Bildnis Adele Bloch-Bauer. Diese weisen auf Grund des majestätischen Habitus und des jeweils kräftig akzentuierten, sinnlichen Mundes der Dargestellten jedoch einen ganz anderen Charakter auf. Die hier gezeigte Arbeit ist daher als eine bemerkenswerte Ergänzung zur kleinen Gruppe der zwischen 1902 und 1904 entstandenen autonomen Figurenstudien anzusehen (1).
(1) Alice Strobl, Gustav Klimt: Die Zeichnungen. 1878–1903, Bd. I (Salzburg: Verlag Galerie Welz, 1980), S. 322–25, Kat. WVZ Nr. 1153–71.
Last edited27.11.2024
Informationen zu diesem Werk können sich aufgrund laufender Forschungsarbeiten ändern.
Information about this work may change as the result of ongoing research.
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