Stehender weiblicher Akt
Gustav Klimt
um 1885
Zuschreibung durch Marian Bisanz-PrakkenExhibitionsPublished References
ehemalige:r Besitzer:in1918 Nachlass Gustav Klimt (Wien 1918)ehemalige:r Besitzer:inab 1918 Hermine Klimt (Wien 1865 - 1938 Wien)ehemalige:r Besitzer:inbis 2026 Privatbesitz , DeutschlandAuktion22.5.2026 Van Ham Kunstauktionen (Köln)
Auktionskatalog
Diese bisher unbekannte Aktzeichnung einer stehenden Frau lässt sich als Studie für die Hauptfigur im Gemälde „Tanz“ identifizieren, das Gustav Klimt 1885/86 als Teil der malerischen Deckengestaltung im Stadttheater von Karlsbad (heute in Tschechien) geschaffen hat. Es betrifft die links im Vordergrund tanzende Frauengestalt, die durch ihre schwebende Eleganz und ihr luftiges, helles Kleid zusammen mit dem an ihrer Hand gehaltenen kleinen Mädchen besonders hervortritt.
Dass sich mit dieser Figur – zu der Alice Strobl in ihrem Werkverzeichnis bereits eine Kostümstudie publiziert hatte (Strobl I, Nr. 133) – jetzt erstmals eine Aktzeichnung verbinden lässt, ist in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung. Erstens kann diese Arbeit zu den frühesten Studien gerechnet werden, die der rund 23-jährige Künstler unmittelbar nach dem weiblichen Modell gezeichnet hat. Während des Aktunterrichts seiner 1883 vollendeten Ausbildung an der Wiener Hochschule für Angewandte Kunst hatte er praktisch nur nach männlichen Modellen gezeichnet; weibliche Nacktheit wurde durchwegs nach Fotos oder Reproduktionen studiert.
Zweitens ist dieses Blatt ein frühes Beispiel für Klimts Methode, dem Charakter und den Bewegungen seiner kostümierten Figuren durch das Studium nach nackten Modellen ganz auf den Grund zu gehen. In dieser Zeichnung stützt sich der Akt links auf einen leicht angedeuteten Sessel, und rechts auf einen unsichtbaren Gegenstand. Nur so konnte die Posierende die Balance halten, während Klimt sie gezeichnet hat. Wichtig war ihm das Schwebende der Tanzbewegung, die er durch die Position der Beine und die leichten Körperdrehungen prägnant erfasst.
Klimts 1885/86 gezeichnete Studien für die Deckengemälde in Karlsbad gehen den 1886/87 geschaffenen Zeichnungen für die Malereien im Wiener Burgtheater, die den Höhepunkt seiner historistischen Karriere markieren, kurz voran. Charakteristisch für die hier präsentierte Zeichnung sind die fein nuancierten, treffsicheren Konturlinien und die subtilen weiß gehöhten Partien. Die lineare Präzision, mit der Klimt die weibliche Anatomie erfasst, verbindet sich mit einem Hauch von Sinnlichkeit – ein früher Hinweis auf seinen späteren Ruf als Maler und Zeichner der Frauen. Das Thema Tanz sollte ihn in Kompositionen wie die „Tänzerin“ im Stoclet-Fries (1910/11) oder im Gemälde „Die Tänzerin“ (1916/17) immer wieder beschäftigen und in seinen Zeichnungen seinen besonderen Ausdruck finden.
Marian Bisanz-Prakken
Informationen zu diesem Werk können sich aufgrund laufender Forschungsarbeiten ändern.
Information about this work may change as the result of ongoing research.