Stehende Dame mit Theaterglas nach rechts
Gustav Klimt
1888-1889
Object numberGKZ222
Strobl-Nr.Strobl 222
Künstler:in
Gustav Klimt
(Wien 1862 - 1918 Wien)
Date1888-1889
Dimensions45,2 × 31,6 cm
MediumSchwarze Kreide auf Packpapier
Inscribedverso "1869"
Markingsr.u. Nachlaßstempel
Besitzer:in
Besitzer:in unbekannt
Zählnummer Gustav Klimt Nachlaß1869
Exhibitionsehemalige:r Besitzer:in1918 Nachlass Gustav Klimt (Wien 1918)ehemalige:r Besitzer:in Erich Lederer (Wien 1896 - 1985 Genf)ehemalige:r Besitzer:in Privatbesitz , Wienehemalige:r Besitzer:in Galerie Christian M. Nebehay (Wien)ehemalige:r Besitzer:in Privatsammlung , Wienehemalige:r Besitzer:in Le Claire Kunst (Hamburg)ehemalige:r Besitzer:in Besitzer:in unbekannt Auktion31.3.2016 Christie's Paris [22000]Besitzer:in Besitzer:in unbekannt
Katalogtext
Galerie Christian M. Nebehay, 2007:
Studie für das Aquarell "Zuschauerraum im alten Burgtheater" (Strobl, Nr. 191); dargestellt ist eine der Damen auf "der Galerie links über dem Zusammenstoßen des 3. und 4. Feldes der Brüstung" (Strobl, Nr. 222).
"Klimt (schuf) besonders reizvolle Einzelstudien, die junge Frauen ... beim Umbinden eines Shawls, mit oder ohne Hut, von vorne oder im verlorenen Profil, mit Theaterglas oder Fächer zeigen" (Strobl, Klimt, I, p. 69).
Alice Strobl, 1980: Studie für eine Zuschauerin der Galerie links über dem
Zusammenstoßen des 3. und 4. Feldes der Brüstung.
Marian Bisanz-Prakken, 2009: Auf dem Höhepunkt seiner frühen Karriere erhielt der 26-jährige Gustav Klimt 1888 von der Stadt Wien den Auftrag, das Interieur des Alten Burgtheaters, dessen Demolierung aufgrund der Errichtung des Neuen Burgtheaters bevorstand, in einer großformatigen Gouache detailliert festzuhalten. Diese anspruchsvolle Arbeit, für die der Künstler 1890 den Kaiserpreis erhielt, war eine technische und künstlerische Herausforderung1. Zu bewältigen waren nicht nur die komplexen Effekte des Kunstlichts; Klimt hatte auch die Aufgabe, inmitten des von der Bühne aus gesehenen Publikums einhundert Personen des öffentlichen Lebens gut erkennbar und quasi zwanglos darzustellen. Bei der Ausführung der Gouache machte er zweifellos von Fotos oder anderen Vorlagen Gebrauch, aber seine Studien zeichnete er unmittelbar vor Ort, wobei er sich auf die Situation vor der Vorstellung konzentrierte. Von der Bühne aus fertigte er spontane Skizzen von einzelnen Figuren, Figurengruppen und von der Inneneinrichtung an, wobei ihm das lebhafte Durcheinander offenbar gelegen kam: Damen und Herren begrüßen einander, machen Konversation, schauen um sich, nehmen Platz oder beobachten ihre Mitmenschen2. Für die anonyme Frauengestalt auf der Galerie, die mit ihrem Theaterglas nach interessanten Motiven Ausschau hält, zog Klimt die hier präsentierte Studie heran. Charakteristisch für die ganze Studiengruppe sind die intensiven Helldunkel-Wirkungen, bei einem lebhaften Wechsel von kräftig schraffierten Feldern und beleuchteten Stellen. Die treffsicheren Umrisslinien, mit denen Klimt die von unten gesehene Gestalt in der Fläche fixiert, erheben das Blatt zur autonomen Arbeit und verweisen auf die Tatsache, dass die Konturlinie als für Klimt charakteristisches Stilmittel auch in dieser frühen Phase bereits zur Geltung gelangt. Als Maler von Allegorien und historisierenden Szenen befasste Klimt sich im Rahmen dieses Auftrags ausnahmsweise mit wirklichkeitsbezogenen, anekdotischen Motiven. Trotz ihres Eingebunden-Seins in der Menge stehen die Figuren der Gouache allerdings isoliert für sich; zwischen den porträtierten Theaterbesuchern zeichnet sich manche gedankenverlorene oder verträumte Gestalt ab. In den hermetisch isolierenden Konturlinien der gezeichneten Studien – so auch im hier gezeigten Blatt findet dieses Phänomen, das auf Klimts bevorstehende Wende zur „Moderne“ vorausweist, ihre kongeniale Entsprechung.
1 Zuschauerraum im Alten Burgtheater, Aquarell, Deckfarben, gold gehöht, auf Papier, 91,2 x 103,0 cm, Wien Museum, Inv. Nr. 31813. Strobl, Bd. 1, 1980, Nr. 191.
2 Die Studien: Strobl, op. cit., Bd. 1, 1980, Nrn. 192-223.
Last edited03.12.2025
Informationen zu diesem Werk können sich aufgrund laufender Forschungsarbeiten ändern.
Information about this work may change as the result of ongoing research.
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