Foto: Antiquariat & Kunsthandlung Dr. Hansjörg Krug, Wien
Stehende Dame mit Theaterglas nach rechts
Foto: Antiquariat & Kunsthandlung Dr. Hansjörg Krug, Wien

Stehende Dame mit Theaterglas nach rechts

Gustav Klimt

1888-1889




Object numberGKZ222
Strobl-Nr.Strobl 222
Künstler:in (Wien 1862 - 1918 Wien)
Date1888-1889
Dimensions45,2 × 31,6 cm
MediumSchwarze Kreide auf Packpapier
Inscribedverso "1869"
Markingsr.u. Nachlaßstempel
Zählnummer Gustav Klimt Nachlaß1869
Exhibitions
  • 1992 Wien, Galerie Christian M. Nebehay (10.1992 - 11.1992)
  • 2007 Wien, Galerie Christian M. Nebehay (05.2007 - 06.2007)
  • Published References
  • Christian M. Nebehay, Gustav Klimt. Dokumentation, Wien 1969, S. 87 (Abb. 114 re.)
  • Alice Strobl, Gustav Klimt. Die Zeichnungen 1878-1903, Bd. I, Salzburg 1980, WV-Nr. 222, S. 76 (Abb. S. 77)
  • Christian M. Nebehay, Gustav Klimt. Von der Zeichnung zum Bild, Wien 1992 , S. 30 (Abb. 24)
  • Rainer Metzger, Gustav Klimt. Das graphische Werk, Wien 2005 (Abb. S. 20)
  • Christian M. Nebehay, Gustav Klimt. 22 Zeichnungen, Briefe und Dokumente, Katalog 123, Wien 2007, Nr. 7 (Abb.)
  • Le Clarie Kunst (Hg.), Gustav Klimt 1862-1918. Some Early Drawings, Katalog Nr. 23, Hamburg 2009, Kat. 1 (Katalogtexte von Dr. Marian Bisanz-Prakken)
  • Provenance
  • 1918 Nachlass Gustav Klimt, Wien
  • Erich Lederer, Genf
  • Privatbesitz, Wien
  • Galerie Christian M. Nebehay, Wien
  • Privatsammlung Wien [Quelle: Le Claire Kunst 2009]
  • Le Claire Kunst, Hamburg [Quelle: Le Claire Kunst 2009]
  • Besitzer:in unbekannt
  • 31.3.2016 Christie´s Paris, Los 65 (Abb. S. 84) [Quelle: artprice]
  • Besitzer:in unbekannt

  • ehemalige:r Besitzer:in Nachlass Gustav Klimt (Wien 1918)ehemalige:r Besitzer:in(Wien 1896 - 1985 Genf)ehemalige:r Besitzer:in, Wienehemalige:r Besitzer:in(Wien)ehemalige:r Besitzer:in, Wienehemalige:r Besitzer:in(Hamburg)ehemalige:r Besitzer:inAuktion Christie's Paris [22000]Besitzer:in
    Katalogtext
    Galerie Christian M. Nebehay, 2007:

    Studie für das Aquarell "Zuschauerraum im alten Burgtheater" (Strobl, Nr. 191); dargestellt ist eine der Damen auf "der Galerie links über dem Zusammenstoßen des 3. und 4. Feldes der Brüstung" (Strobl, Nr. 222).

    "Klimt (schuf) besonders reizvolle Einzelstudien, die junge Frauen ... beim Umbinden eines Shawls, mit oder ohne Hut, von vorne oder im verlorenen Profil, mit Theaterglas oder Fächer zeigen" (Strobl, Klimt, I, p. 69). 

    Alice Strobl, 1980:
    Studie für eine Zuschauerin der Galerie links über dem Zusammenstoßen des 3. und 4. Feldes der Brüstung.
    Marian Bisanz-Prakken, 2009:
    Auf dem Höhepunkt seiner frühen Karriere  erhielt der 26-jährige Gustav Klimt 1888 von der  Stadt Wien den Auftrag, das Interieur des Alten  Burgtheaters, dessen Demolierung aufgrund der Errichtung des Neuen Burgtheaters bevorstand, in einer großformatigen Gouache detailliert festzuhalten. Diese anspruchsvolle Arbeit, für die der Künstler 1890 den Kaiserpreis erhielt, war eine technische und künstlerische Herausforderung1. Zu bewältigen waren nicht nur die komplexen Effekte des Kunstlichts; Klimt hatte auch die Aufgabe, inmitten des von der Bühne aus gesehenen Publikums einhundert Personen des öffentlichen Lebens gut erkennbar und quasi zwanglos darzustellen. Bei der Ausführung der Gouache machte er zweifellos von Fotos oder anderen Vorlagen Gebrauch, aber seine Studien zeichnete er unmittelbar vor Ort, wobei er sich auf die Situation vor der Vorstellung konzentrierte. Von der Bühne aus fertigte er spontane Skizzen von einzelnen Figuren, Figurengruppen und von der Inneneinrichtung an, wobei ihm  das lebhafte Durcheinander offenbar gelegen kam: Damen und Herren begrüßen einander, machen Konversation, schauen um sich, nehmen Platz oder beobachten ihre Mitmenschen2. Für die anonyme Frauengestalt auf der Galerie, die mit ihrem Theaterglas nach interessanten Motiven Ausschau hält, zog Klimt die hier präsentierte Studie heran. Charakteristisch für die ganze Studiengruppe sind die intensiven Helldunkel-Wirkungen, bei einem lebhaften Wechsel von kräftig schraffierten Feldern und beleuchteten Stellen. Die treffsicheren Umrisslinien, mit denen Klimt die von unten gesehene Gestalt in der Fläche fixiert, erheben das Blatt zur autonomen Arbeit und verweisen auf die Tatsache, dass die Konturlinie als für Klimt charakteristisches Stilmittel auch in dieser frühen Phase bereits zur Geltung gelangt. Als Maler von Allegorien und historisierenden Szenen befasste Klimt sich im Rahmen dieses Auftrags ausnahmsweise mit wirklichkeitsbezogenen, anekdotischen Motiven. Trotz ihres Eingebunden-Seins in der Menge stehen die Figuren der Gouache allerdings isoliert für sich; zwischen den porträtierten Theaterbesuchern zeichnet sich manche gedankenverlorene oder verträumte Gestalt ab. In den hermetisch isolierenden Konturlinien der gezeichneten Studien – so auch im hier gezeigten Blatt findet dieses Phänomen, das auf Klimts bevorstehende Wende zur „Moderne“ vorausweist, ihre kongeniale Entsprechung.   

    1 Zuschauerraum im Alten Burgtheater, Aquarell, Deckfarben, gold gehöht, auf Papier, 91,2 x 103,0 cm, Wien Museum, Inv. Nr. 31813. Strobl, Bd. 1, 1980, Nr. 191.

    2 Die Studien: Strobl, op. cit., Bd. 1, 1980, Nrn. 192-223.


    Last edited03.12.2025

    Informationen zu diesem Werk können sich aufgrund laufender Forschungsarbeiten ändern.

    Information about this work may change as the result of ongoing research.
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