Bildprotokolle der Gewalt
Ab 1967 entstehen stilistisch eigenständige Zeichnungen, die sich formal mit dem Werk des Expressionisten Georges Henri Rouault auseinandersetzen und eine präzise Sprache für konkrete Bildinhalte suchen und finden. Mit ihrer klaren Entscheidung gegen Abstraktion schafft Florentina Zeichnungen von einem kritischen Realismus, die oft einen satirischen bis sarkastischen Ton tragen, der durch den Titel verstärkt wird. Die Künstlerin widmet sich in diesen narrativen Blättern u. a. dem Zweiten Weltkrieg; auch die bis in die 1980er-Jahre entstandenen Werke, in denen die Mechanismen und Folgen patriarchaler Machtstrukturen aus feministischer Perspektive durchleuchtet werden, gehören zu dieser Gruppe.
Pakosta bricht hier mit Tabus. Sie reflektiert die Grausamkeiten des jüngsten Krieges aus einer zutiefst menschlichen Perspektive. In Darstellungen wie Soldaten vor dem Gefecht sind systematische Gewalt, Brutalität, Mitläufertum, aber gleichzeitig Ohnmacht spürbar. Mit Werken wie Kriegserinnerungen, Die weiße Weste, und Muse, Täter, Opfer thematisiert sie die Aufarbeitung des Krieges und die Verdrängung des nationalsozialistischen Erbes. In Heimkehr der Söhne scheut sie sich nicht, die Mitverantwortung von Frauen anzusprechen.
Auch die Unterdrückung der Frau und die Zwänge traditioneller Rollenbilder, unter denen die Künstlerin in einer männlich dominierten (Kunst)Welt leidet, sind zentral. Repressionen finden in Zeichnungen wie Daheim oder Ehepaar Ausdruck: Die heile Zweierbeziehung wird mit Skepsis betrachtet. Der Ehering und seine Folgen zeigt auf, welche Unabhängigkeit durch Heirat und häusliche Pflichten verloren geht.
Die strukturelle physische wie psychische Gewalt gegenüber Frauen, über die man bis heute hinwegsieht, wird in drastischen Zeichnungen mit Titeln wie Lustmord (Wenn Männer ihre Ehefrauen töten) behandelt. Nadelklitoris basiert auf einem konkreten Ereignis: Mit einer Haarnadel in der Vagina wollte eine Frau die Übergriffe ihres Ehemanns abwehren. (Erst 1989 wurde in Österreich sexuelle Nötigung innerhalb der Ehe gesetzlich als Vergewaltigung anerkannt.) In der Ideenskizze Rotkäppchen kehren sich die Rollen von Frau und Mann um: Die weibliche Figur spielt die dominante, gewalttätige Rolle in dieser sexuell aufgeladenen Szene.
In dieser Gruppe verdichtet sich ein gewisser Kern an Ideen, der als Motor für das weitere Schaffen Pakostas dient. Eine vergleichbar kritische Haltung zeigt sich bei den späteren „Montagebildern“, die diese gravierenden Missstände mit anderen künstlerischen Mitteln anprangern. Die Ausdrucksweise mag subtiler sein, die Aussage bleibt radikal.