Stillleben und Warenlandschaften
Bereits die naturalistischen und kubistischen Stillleben-Kompositionen ihres Frühwerks zeugen von Pakostas Faszination für die Dingwelt. Während das Klischee des nature morte die Kostbarkeit der Dinge zelebriert, erweitert Pakosta diesen Bildtypus ab den späten 1980er-Jahren und bringt insbesondere den Warencharakter hervor. Ähnlich wie die Menschen in den „Menschenmassen“ sind die Gegenstände in den „Warenlandschaften“ völlig entindividualisiert. Das einzelne Objekt mit einst persönlicher Bedeutung geht in der gleichförmigen Masse unter. Anstelle opulenter Obst- oder Blumenarrangements dringen Anhäufungen schablonenhafter Motive in überwuchernden Allover-Strukturen auf Leinwand und Papier. Die Gegenstände stammen aus dem Atelier: Farbtuben, Maltücher oder Bretter; die Kompositionen umfassen aber auch andere Dinge, die unseren Alltag bevölkern, wie Schlüsseln, Wäscheklammern, Wollknäuel, Hüte und Schuhe.
Mit den „Warenlandschaften“ reflektiert Pakosta eine Wegwerfgesellschaft, die immer schneller anschwellende Warenflut der 1980er-Jahre: Konsumgüter strömen in Hülle und Fülle aus Fabriken und Fließbändern auf uns zu; Massenartikel werden mit einer bisher ungeahnten Geschwindigkeit erworben und achtlos auf Mülldeponien entsorgt – oder, wie Pakosta es ausdrückt, auf den „Schlachthöfen der dinglichen Sachen, um neuen, modischeren Gegenständen Platz zu machen“.
Das Potenzial des Stilllebens ist bekannt. Es ist unbelastet von den Spannungen zwischen Maler:in und Modell. Aufgrund seiner historisch geringen Wertschätzung eignet es sich zudem ideal für die Auslotung formaler Fragestellungen. Bei Pakosta spielt diese Gattung auch eine Rolle bei der Entwicklung ihres Zweitwerks. Die Sujets ihrer Stillleben werden in den 1980er-Jahren immer abstrahierter; die Künstlerin wendet sich vermehrt der Malerei, aber auch der Farbe zu. Auf der Rückseite eines Panoramstillebens mit Stanleymesser entsteht im Jahr 1988 die erste Skizze für die abstrakt-geometrischen „Trikolore-Bilder“. Eines der frühesten, Der Müllberg, steht in direkter Verbindung zu den „Warenlandschaften“.