Vorwort
Die 1933 in Wien geborene Florentina Pakosta – mit ihrem unverwechselbaren Œuvre zweifelsohne eine Pionierin der feministischen Kunst – verkörpert eine der bedeutendsten Positionen der österreichischen Kunstgeschichte nach 1945. Wiederholt war Pakostas Werk in den vergangenen Jahren in verschiedenen Ausstellungen in der Albertina zu sehen. Zudem ist die Künstlerin auch mit bedeutenden Arbeiten – der Gesamtbestand umfasst über 80 Werke – in der Sammlung des Hauses vertreten. Diese mehr als vier Jahrzehnte überdauernde Verbindung Florentina Pakostas zur Albertina findet nun weitere Vertiefung in der Herausgabe des ersten umfassenden und auf mehrjähriger Recherche basierenden Werkverzeichnisses der Künstlerin, das wesentlich zur wissenschaftlichen Erschließung und Zugänglichkeit dieses außergewöhnlichen Schaffens beiträgt und somit einen wichtigen Schritt in der Forschung zur österreichischen Kunst nach 1945 setzt.
Der Bestand der Werke Florentina Pakostas innerhalb der Sammlung der Albertina spiegelt einen repräsentativen Querschnitt des gesamten Schaffens dieser Ausnahmekünstlerin. Dazu gehörten Hauptwerke wie die monumentalen Gesichtsbildungen und Zeichnungen von Händen, die Mimik und Körpersprache sezieren, um deren gesellschaftlicher Prägung auf den Grund zu gehen. Pakostas druckgrafische Auseinandersetzung mit den Charakterköpfen von Franz Xaver Messerschmidt schließen daran ebenso an wie die satirischen Montagebilder in Sprühtechnik, in denen die Künstlerin eine Ausdrucksform findet, um pointierte gesellschaftskritische Aussagen zu treffen. 1984 widmete die Albertina Florentina Pakosta eine erste Einzelausstellung. 2018 fand eine große Retrospektive statt, die den Bogen von den frühen, dem sozialkritischen Realismus verpflichteten Zeichnungen bis hin zu den abstrakt-geometrischen „Trikolore-Bildern“ spannte, deren Leitthema der Krieg ist und die vor dem Hintergrund der politischen Umwälzungen um 1989 bis heute entstehen.
Das digitale Werkverzeichnis umfasst rund 3000 Arbeiten, wird als laufendes Projekt stets erweitert und bearbeitet und vermittelt einen fundierten Einblick in sieben Jahrzehnte künstlerischen Schaffens einer bislang nicht ausreichend gewürdigten Künstlerin. Florentina Pakosta hat maßgeblich zur Entwicklung der Kunst in Österreich seit 1945 beigetragen und tut dies bis heute. Die für die Erstellung dieses Œuvrekatalogs über mehrere Jahre hinweg durchgeführten Recherchen wurden thematisch gegliedert aufbereitet. Ergänzt wird das Werkverzeichnis durch eine reich bebilderte Biografie und eine Bibliografie.
Dieses Werkverzeichnis wurde in enger Abstimmung mit der Künstlerin erarbeitet, die der Albertina ihr Atelier öffnete und ihr Archiv zur Verfügung stellte. Ohne ihre Unterstützung, für die wir Florentina Pakosta unseren tief empfundenen Dank aussprechen, wäre dieses Projekt undenkbar gewesen. Unser Dank gilt zudem den öffentlichen und privaten Sammlungen, die uns Bildmaterial und werkrelevante Informationen zur Verfügung gestellt haben.
Dr. Ralph Gleis Generaldirektor der Albertina